Megane 1 Roadtrip 2019 - Sonne, Sturm und Altes Blech

Diskutiere Roadtrip 2019 - Sonne, Sturm und Altes Blech im Klatsch und Tratsch Forum im Bereich Allgemeines; Moin, vor zwei Wochen endete mein Sommer-Roadtrip mit dem 11/2018 gekauftem Megane 1 Cabrio. Erstmal etwas zum Auto: BJ. 10/2000, EZ. 4/2001,...

  1. #1 Dr.Izzy, 06.08.2019
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    Moin,
    vor zwei Wochen endete mein Sommer-Roadtrip mit dem 11/2018 gekauftem Megane 1 Cabrio.

    Erstmal etwas zum Auto:
    BJ. 10/2000, EZ. 4/2001, Beim Kauf 92Tsd Kilometer auf der Uhr. Mängel?
    - Bremsen quietschen und sind verschlissen
    - Radlager vorne durch
    - Armaturenbrett und Innenraum zerlebt
    - Dach spröde und Löchrig
    - Motorstörungen (Drosselklappen-Elektronik)
    - Allgemeiner Wartungsstau (Luftfilter, Ölfilter etc)

    Ansonsten? Geiles Auto. 1.4l 16V Motor, Tieferlegung um 35mm, Bretthartes Fahrgefühl. Gekauft für 500 Euro.
    Zweck dieses Autos war die Tour 2019. Aber es hat sich als Daily etabliert.

    Im Januar begann ich mit den Sanierungsmaßnahmen. Die Radlager zu wechseln war bei 20 Jahre alten Achsmuttern sportlich, der Rest ging gut von der Hand.
    Die Ersatzteile waren recht günstig, geschraubt wurde in der Garage ohne Hebebühne, nach Feierabend und am Wochenende. Also ein echtes Hobbyprojekt.
    Bis alle Mängel ausgebügelt waren war April. 20 Jahre alte Autos mit Wartungsstau sind böse Zeitfresser.

    Aber warum das ganze?
    Weil Roadtrip.
    Weil Hochzeitsreise. Im Sommer. Mit einem Cabrio.

    Dabei war die Autowahl gezielt auf die Route abgestimmt.
    - Genug Kofferraum für Gepäck für 3 Wochen und 2 Personen
    - Wartungsfreundlich
    - Zuverlässig
    - Für Autodiebe uninteressant
    - Ersatzteile sollen lokal verfügbar sein.

    Der Megane 1 als Cabrio erfüllt alle Kriterien. Gerade der geräumige Kofferraum hilft enorm. Sogar Strandausrüstung, Kühlbox, eine Mandoline und Bademäntel fanden ihren Platz. Werkzeugkasten und ein Mehrzweck-Akkuschrauber konnten auch mitgenommen werden.

    Die Route führte uns einmal um die Ostsee. Und damit meine ich nicht die Komfort-Route (Dänemark, Schweden) sondern die lange Route:
    - Polen
    - Kaliningrad
    - Litauen
    - Lettland
    - Estland
    - St- Petersburg
    - Finnland

    Zurück dann mit der Fähre ab Helsinki. Insgesamt sollte uns die Route über 3700km führen, zzgl. der Fähre also fast 5000km in 3 Wochen.

    In diesem Thread werde ich etwas zu der Reise, der Route, dem Auto und allen kleinen wie großen Abenteuern unterwegs erzählen.

    Eins vorab:
    Bis auf Kaliningrad und St. Petersburg ist die ganze Strecke ohne Visum und besondere Vorbereitungen zu erledigen. Ein Tourismus-Visum mit double-entry kostet ca. 90-110 Euro pro Person.
    Entgegen gängiger Legenden muss man kein Sondervisum für Kaliningrad/Königsberg ordern und man muss nicht an der Grenze eine Autoversicherung kaufen.
    Die ganze Tour wäre auch ohne Russland-Intermezzo möglich, aber sinnlos. Man kann Kaliningrad bequem umfahren und statt Sankt Petersburg ab Tallinn eine Fähre nach Helsinki nehmen.

    Wenn man bei Finnlines die Fähre Helsinki-Travemünde wählen will, so sollte man extrem früh buchen. 9 Monate vor Fahrt hätte die Tour 300 Euro gekostet, 4 Monate vorher waren es schon 700 für das Auto und Kabine. Wenn ihr also auch eine Tour dieser Größenordnung oder mit dem Ziel Finnland plant, bucht so früh wie möglich und zahlt die 50 Euro für die Umbuchungs/Stornooption drauf.
     
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  2. #2 Dr.Izzy, 06.08.2019
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    Etappe 1: Raus aus Deutschland
    Ziel der ersten Etappe war es, Deutschland zu verlassen. Gestartet wurde im Raum Pinneberg, Nordwestlich von Hamburg. Da Hamburg allgemein ein ziemlicher Albtraum für Autofahrer ist, entschieden wir uns für die Flucht nach Norden - Querfeldein bis zur A7, dann über die B206 auf die A20 Richtung Osten. Da wir erst um 17:00 starten konnten, wurde diese Tour dreierlei: Autobahnlastig, langweilig und wirklich anstrengend.

    Nach mehr als 3 Stunden erreichten wir schließlich Swinemünde. Voller Touristen, beengter Hotels, saufender Jugendlicher und überteuerten Parkplätzen. Swinemüde besticht ansonsten durch ruppige Straßen und steile Verkehrsbegrenzer. Zum ersten mal mussten wir einsehen: Tiefergelegt nach Osteuropa? Nicht wirklich schlau.

    Mit einem bombastischen Sonnenuntergang über der Ostsee endete der erste Tag und es begann der erste Tag unserer Hochzeitsreise.

    Etappe 2: Verloren in Polen
    Ziel der zweiten Etappe war urprünglich Danzig, bis uns irgendwann auffiel, dass Marbok/Marienburg lockt. 400km durch Polen, bei bestem Wetter.... was kann schon schief gehen?
    Zunächst einmal: Google lügt. Google sagt: es gibt eine Fähre in Swinemünde (Google Maps)
    Was google nicht sagt: Diese Fähre ist nur für Anwohner.
    Die richtige Fähre ist ganz woanders: Google Maps
    Also: Durch Swinemünde - Stau
    Zur Fähre - 30 Minuten anstehen
    Abgewiesen werden
    30 Minuten zur anderen Fähre
    2 Stunden dort warten

    Der Rest des Tages führte uns über verwundene Landstraßen bei bestem Cabriowetter durch die Polnische Landschaft. Aber die Rennschnecke schlug sich tapfer und tanzte um Schlaglöcher, während wir durch den Bory Nationalpark cruisen. Fahrspaß? Maximal. Bei 60-90kmh durch die Landschaft gleiten, während der 1.4l Motor im ultra-Benzinsparmodus läuft vermittelt ein entspanntes Gefühl. Zudem: +30°C, pralle Sonne, teilweise bergig, teilweise viel Verkehr.... aber dem Motor will einfach nicht warm werden. Die Temperaturfühlernadel geht nicht über die Mitte, der Motor entwickelt kein "klopfen" oder andere Hitzesymptome.
    Die zwei-drei verlorenen Stunden in Swinemünde nerven uns zwar, weil wir so viel zu wenig zeit für die Marienburg haben... aber egal. Im Schatten vor der Burg können wir parken, während wir etwas Tourismus genießen und uns die phantastisch restaurierte Festung angucken.
     
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  3. #3 Dr.Izzy, 06.08.2019
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    Etappe 3: Kaliningrader Klopse
    Am 3. Tag fuhren wir von Malbork über Elbag zur Grenze bei Grzechotki. Der Grenzübergang kostete uns gut 1 Stunde Wartezeit und 1 Stunde Kontrolle/Bürokratie. Endlich in Russland angekommen konnten wir die wirklich wunderbaren Dinge des Lebens geniessen:
    - Super für 60ct.
    - Straßen so breit wie eine Landebahn

    Kaliningrad ist verkehrstechnisch einfach. Gute Schnellstraßen aussenrum, viel Kopfsteinpflaster und ruppiger Asphalt in der Stadt. Straßenbaustellen bekämpfen 40 Jahre Sanierungsstau an allen Ecken, aber wenn man mal auf neuen Pisten ist.... wunderbar.
    Untergekommen sind wir in einem malerischen Gasthaus im Norden der Stadt. ein Villenviertel aus der Königsberger Zeit nahe des botanischen Gartens, umgeben vom Kitsch der Jahrhundertwende.
    Für unsere Stadterkundung entschließen wir uns, das Auto stehen zu lassen. Das geht. Minibusse fahren für 40/50 RUB, also knappe 55ct pro Person, der ÖPNV ist mit LIVE-Daten über Google abzurufen. Wir hätten auch mit dem Auto fahren können, denn die Innenstadt spart nicht mit (gratis) Parkplätzen.
    Bei über 30°C kämpfen wir uns an malerischen Plätzen und weniger schönen Soviet-Ruinen vorbei. Wir hatten nur 1 Tag in der Stadt, und wollten viel sehen. Aber realistisch: Kaliningrad alleine verdient mehr. Alles ist günstig, alles ist einfach. Die Stadt besticht durch ihren Stressfreien Charakter und viele spannende Ecken.

    Etappe 4: Baltica, Baby
    Etappe 4 ist die anstrengendste, vielseitigste und schönste Piste der Reise. Unser Ziel: Riga.
    Auf unserer Europakarte wurde auf dem Kurischen Haff ein Grenzübergang angezeigt. Mitten im Naturschutzgebiet.. Nach einer kurzen Recherche erfuhren wir, dass das Haff tatsächlich mit dem PKW zu queren ist. Das bedeutet: die vielleicht schönste Kombination aus Küste/Wald/Seenlandschaft, wenig Verkehr, angenehme 60km/h Limit und ein Sonniges, aber nicht zu heißes Wetter lassen uns über die Nehrung gleiten. Zwischendurch bequem Pause am Strand, bis man tiefenentspannt den vielleicht kleinsten Grenzübergang nach Russland erreicht.
    Die Litauische Seite ist ebenso schön und führt uns zu einem deutlich besser (für Touristen) erschlossenem Teil. Zurück in der Eurozone erreichen wir die Stadt Klaipeda für Sightseeing und eine Mittagspause.
    An dieser Stelle die Tourismus-Empfehlung: Im Sommer nach Litauen über die Fähre nach Leipaja geht, das Kurische Haff bietet sich auf beiden Seiten der Grenze für Camping, Ferienhäuser oder Tagesbesuche an. Hier kann man sehr bequem eine Woche verbringen, ohne dass es langweilig wird. Wenig Verbote, wenig Regeln, viel Freiraum für Alternativreisende, FKK-Strände, Fahrradtouristen.... das ganze untermalt mit sehr günstigen Preisen und stabilem Sommerwetter. Go East, Baby.

    Nach einer guten Pause in Klaipeda mussten wir weiter - Pflichtetappe wegen Zeitmangel bis Riga. Hier habe ich mich verfranst und bin falsch abgebogen, weshalb wir statt der malerischen Küstenroute (A11) über die langweilige A1/E77 fuhren. Aber umdrehen kam nicht in Frage, die Tour war für besseres bestimmt.

    Riga.... Riga erwies sich als ziemlicher Ausfall. Katastrophale Straßen ließen uns mehrfach aufsetzen, das Hotel war eine Peinlichkeit und eigentlich freuten wir uns nur, weiter zu Kommen in Etappe 5.
     
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  4. #4 Dr.Izzy, 07.08.2019
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    Etappe 5: Wilde Ostsee
    Ziel der Etappe war die Stadt Tallinn. Hinter Riga besuchten wir erstmal das Freilichtmuseum, ehe wir uns gemütlich die Küstenstraße hoch kämpften.
    Das Wetter wurde immer dunkler, zwischendurch gab es Regen und bei ca. 17-20°C war das Cabriofeeling vorbei. Sehr ärgerlich, weil es entlang der E67 immer wieder perfekte Stransparkplätze gibt. Auch für diese Ecke eine beste Reiseempfehlung für Minicamper und Ostseeentdecker. Hier reiht sich Strand an Strand, von Nepp, Gentrifizierung und Massentourismus keine Spur.
    Wenige Deutsche trifft man hier, aber immerhin trifft man durch die Fährverbindung hier wieder heimische Kennzeichen. Der Kanon der anderen Ostseereisenden ist überwiegend: "Wir hätten nicht gedacht, dass das so schön ist."
    Die Straßen von Lettland sind außerhalb der Städte deutlich besser als die von Riga, mit dem Grenzübergang nach Estland aber hat man vollends das Gefühl in einem reichen Land angekommen zu sein. Modernste Straßen, Zebrastreifen und Blitzer vermitteln das Gefühl, man sei in Dänemark oder Schweden gelandet. Ostblockcharme sucht man vergebens, stattdessen wirkt alles extrem gepflegt und neuwertig.

    Tallinn ist eine schöne, moderne Stadt, den historischen Kern erkundet man komplett zu Fuss. Sollte man sich mit dem Auto in die Innenstadt verirren: Hier sitzt man auf, auch wenn man SUV fährt. Die Geschwindigkeitsbegrenzer sind über 10cm hoch und extrem steil. Wir haben uns völlig verfranst, was uns gehörig Zeit und nerven gekostet hat.

    Innenstadtnahe Parkplätze kosten 20 Euro/Tag, ein typischer Tarif. Das alles kompensiert Tallinn mit einer sehr schönen Innenstadt, welche zum Flanieren und Erkunden einlädt.
     
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  5. #5 Dr.Izzy, 19.08.2019
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    (2 Wochen Abwesenheit wegen Arbeit)

    Etappe 6: Sankt Petersburg im Sturm nehmen
    in der 6. Etappe heißt es, noch einmal fahren, bis man länger steht. Sankt Petersburg wird die Erste Adresse mit einem längeren Aufenthalt. Ganze 6 Tage planen wir in der Stadt ein.

    Aber erstmal hinkommen. Wir verlassen Tallinn auf der E20 Richtung Osten bei starker Bewölkung, für den Tag ist noch viel Regen angekündigt. Zumal ist der Tank leer, und so beginnt die komplizierteste Tankstellen-suche der Reise. Weil eine Tanke an der Autobahn uns durch eine irreführende Auffahrt abprallen ließ und eine andere Tankstelle geschlossen war, verirrten wir uns bis nach Kotka (Google Maps) um zu tanken. Hier trafen wir auch zwei deutsche Rentner, welche ihre "Silberrücken-Tour" mit dem Camper durch die Baltischen Staaten machten.

    Getankt und geklönt tourten wir weiter nach Narva, einer Grenzstadt. Hier kann man im Vorfeld einen Termin zum Grenzübergang buchen. (GoSwift | Estonia-Russia border crossing queue management system) Das kostet nur ein paar Euro, erleichtert aber das Leben enorm. Wir haben für das Zeitfenster 16-17 Uhr gebucht, waren um 15:58 an der Grenze und wurden sofort aufgerufen.
    Bei besserem Wetter wäre das auch alles schön gewesen, doch goss es in Strömen. Und es sollte nicht aufhören. Von Narva an bis zu unserer Ankunft in Sankt Petersburg wurden wir schier ertränkt. Es gibt einen schmalen Grat zwischen "Aquaplaning" und "Queren einer Furt", der konsequent ausgekostet wurde.
    Aber hey: Der Motor kann nicht heiss werden, wenn er unter Wasser liegt.
    Die Einfahrt nach Sankt Peter war entsprechend ermattend. Statt dem Glanzpanorama, welches man normalerweise beim Queren der westlichen Schnellstraße hat begrüßt uns die Stadt in mattgrau und der eigentlich elegante Gazprom-Wolkenkratzer verschwindet mit seinem oberen Drittel in den Wolken.

    Als einziges Auto mit EU-Kennzeichen weit und breit in diese Stadt zu fahren ist schon unterhaltsam. Aber die Ordnungshüter kümmern sich lieber um verbastelte Rostlauben als um uns. Auch in dieser Stadt lässt uns die Polizei komplett in Ruhe.

    Wir parken auf der Wassilijewski-Insel in Wurfweite zu allen Attraktionen, unsere Ferienwohnung hat einen Parkplatz auf dem Innenhof, und nur die Katzen interessieren sich für unser Auto.

    Kleinigkeiten: Die westliche Schnellstraße (Google Maps) ist eine Mautstrecke, wo man per Karte oder Cash bezahlen kann. Das ganze kostet 200RUB (keine 3 Euro) und spart massiv Zeit und Nerven. Zudem ist die Aussicht (im Normalfall) phänomenal. da die Straßenführung mit Absicht einen Panoramablick über die Stadt ermöglicht.
     
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  6. #6 maltris, 28.08.2019
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    Klasse Trip, haben wir in ähnlicher Form (aber ohne Russland) auch schon hinter uns. Einmal um die Ostsee, also über Schweden und Dänemark wieder zurück.
     

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  7. #7 Dr.Izzy, 28.08.2019
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    Ich werde demnächst noch die Fotos hochladen und die letzten Etappen schreiben.

    Etappe 7: Durch Russland, ExFinnland und Finnland.
    Etappe 7 führt uns nach einer Woche Standpause in Sankt Petersburg (kein Vandalismus, kein Diebstahlversuch) nach Finnland. Über Vyborg (ehemals Finnland) geht es stur nach Norden. Statt über die E18 nach Helsinki zu fahren führt uns unsere Strecke über die 41K-183 nach Norden, an die Grenze bei Swetogorsk.
    Warum? Weil unsere nächste Adresse ein abgelegenes Ferienhaus in Mittelfinnland nahe Kuopio ist.

    Die Tour zur Grenze entlang des Vukosi ist malerisch. Eine absolute Traumstrecke. Das Wetter erlaubte uns nicht, das Dach auf zu machen (unter 20°C und zwischendurch Regen) aber immerhin sind wir nicht abgesoffen. Direkt vor der Grenze für 40 RUB tanken, noch besser.

    Und so kam es, dass wir zum ersten Mal Probleme hatten. An der Grenze.
    Die Sache ist: Mit einem EU-Kennzeichen und mit EU-Pässen in die EU zu fahren ist normalerweise kein Problem. Auf der Russischen Seite wurden wir höflich verabschiedet, doch auf der Finnischen Seite..
    Die pflichtbewussten Beamten haben gute 40 Minuten unsere Papiere kontrolliert. Insbesondere der Fahrzeugschein deutscher Druckart war für sie ein Dokument der 1000 Rätsel. 5 Kollegen brüteten über Handbüchern, Leitfäden und Dienstanweisungen, beleuchteten die Pappe mit UV-Licht und diskutierten Lebhaft darüber, ob dieses Dokument echt ist. Denn eines ist klar: Deutsche Papiere hatte hier nie jemand gesehen.

    Nach einer direkt absurd-unterhaltsamen Zwangspause waren wir in Finnland und fuhren endlich durch den weiten Norden.
    Die Straßen waren weiterhin ruppig, und unsere Rennschnecke fühlte sich sichtlich verärgert.
    Und dann: unsere erste Panne - Quasi.

    Wie am Anfang beschrieben habe ich das Reparaturhandbuch und diverses Werkzeug mitgenommen. Bei unserer Etappe nach Sankt Petersburg kreischte einmal kurz der Keilriemen, was wir auf Wasser schoben. Nun Kreischte er bei der Kurvenfahret ganz erheblich, und wir stoppten an einem Burgerladen.
    Anscheinend hatten wir die zweite Schraube zum Spannen des Keilriemens verloren.
    Siehe auch:
    Mégane Coupé-Cabriolet, EA0D, Manual, 15 Accessory mounting support / Tensioner - Belt - Catcar.info

    die untere der beiden Schrauben im Langloch war weg und ziert nun wahrscheinlich den Reifen eines russischen LKWs. Ohne korrekte Keilriemenspannung weiter fahren? Das würde den Riemen Riskieren, ohne Riemen kein Strom, keine Servolenkung.
    Kacke.
    Aber: Wir hatten Werkzeug. Also "borgten" wir uns eine passende M8er Schraube aus dem Motor (UCH-Kontageklammer) und sicherten den Steuerkasten anderweitig.
    Im Regen unter einem tiefergelegtem Auto basteln klingt doof, aber nach einem Burger und 10 minuten basteln konnten wir weiter. Aus Sorge, der Riemen sei beschädigt machten wir uns zudem auf, ein Ersatzteil zu besorgen. Das war anfangs schwierig (Renault Händler führen nur aktuelle Teile), aber später sehr einfach.
    In einem "Auto-Baumarkt" fanden wir den passenden Riemen... für 12 Euro.
    Wer Finnland kennt, der wundert sich nicht über Brot für 3 Euro oder eine Dose Bier im Supermarkt für 5 Euro. Alles ist teuer, Benzin kostet 1.66 und man gewöhnt sich dran.
    Warum ein Keilriemen für 8-11 Euro auf dem deutschen Markt in Finnland für 12 rumliegt? Keine Ahnung.
    Verbaut haben wir den Riemen bis heute nicht. Wir mussten ihn nur "haben", damit der alte nicht kaputt geht.

    Der Rest von Finnland war eher ruppig. Die eher grobe Autobahn wich einer noch gröberen Landstraße, schließlich fuhren wir rund 30km über Schotterpiste, um zum Ferienhaus zu gelangen. Dort stellten wir definitiv den Rekord für "flachstes Auto, das jemals da war" auf und tasteten uns sehr vorsichtig zur Hütte am See vor.
    Reiseempfehlung für Paare, junge Familien oder andere Konstellationen:
    Jalkanen's Cottages - Pöllötupa
     
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